Es ist der 24. Dezember, 18 Uhr. Im Andachtsraum des Neuköllner Klinikums feiern wir ein großes Fest: Heilig Abend – Christfest. Wir feiern die Geburt Jesu und das Kommen Gottes in die Welt.

Nach dem Gottesdienst warten drei Muslime vor der Tür. Sie wollen im Andachtsraum ihr Gebet verrichten.  „Frohe Weihnacht!“, ruft ihnen eine Patientin zu. Dann hält sie erschrocken inne: „Darf man das überhaupt – Muslimen ein frohes Weihnachtsfest wünschen?“
 
Ich frage nach und höre Verunsicherung.  „Weihnachten“ sei zwar ein christliches Fest, doch solle in einer multikulturellen Gesellschaft keine Religion bevorzugt werden.

Weihnachtsverweigerer und Religionsgegner treffen sich in der Forderung: Wintermarkt statt Weihnachtsmarkt, Sommerfest statt Ramadan.

Popkultur und Wirtschaft werben schon lange mit Seasons's Greetings und X-Mas statt Weihnachten. Der Inhalt des Weihnachtsevangeliums droht im Konsum aufzugehen. Das Fest wird sinnentleert.  Gefeiert wird - doch ohne Jesus Christus.

Und doch: Möglicherweise unbeabsichtigt, betont das englische Kürzel X-mas die christliche Botschaft.  Der griechische Buchstabe Chi (X) stand bei den frühen Christen als Abkürzung für Christos.  

Im Christfest geht es um die Menschwerdung Gottes in der Geburt Jesu im Stall von Bethlehem. Das „göttliche“ Regierungsprogramm  „Friede auf Erden, Versöhnung und Gerechtigkeit“  verbindet sich mit dem Kind in der Krippe.  

Hirten, Menschen ohne gesellschaftliches Ansehen, hören die frohe Botschaft: „Allen Menschen wird zuteil Gottes Heil…“ Gott gibt es wirklich. Und er zeigt sich gerade den Armen, den Ausgestoßenen und Hoffnungslosen.
 
Alles Geld und alle Macht gelten nichts vor Gott und die Botschaft von Weihnachten steht gegen jede politische und ökonomische Instrumentalisierung.

Ingrid Schröter