Das Wort Gottes begegnet uns in der Bibel. Darin berichten Menschen von ihren Erfahrungen mit Gott. Die Bibel ist Gottes Wort in Menschenmund.

Aber ist die Schöpfung nicht auch eine Sprache Gottes? Sind Träume und Visionen nicht auch eine Möglichkeit, sozusagen ganz direkt und ohne den umständlichen Weg über die 2000 Jahre alte Bibel, Gottes Botschaft zu empfangen?
Die Bibel selbst berichtet ja davon, dass einem Menschen auf diese Art Weisung und Zuspruch Gottes zuteil wird.

Die Gefahr einer willkürlichen Deutung und der Anmaßung ist allerdings, wie die Geschichte zeigt, sehr groß. Darum muss es eine Art Kriterium geben, an dem sich jegliche Offenbarung – ob innerhalb oder außerhalb der Bibel – messen lassen muss.

„Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes …“ So steht es in der Barmer Theologischen Erklärung von 1934. In Deutschland wurde in dieser Zeit gerade ein Diktator als göttliche Offenbarung gefeiert. Gegen die Vergötzung von Menschen und die Instrumentalisierung von Ereignissen als göttliche Offenbarung wurde dieses wichtige Bekenntnis in Barmen formuliert.

Wie ist es aber mit der Bibel selbst? Ist denn hier jedes Wort aus sich heraus sozusagen vom Ursprung her schon Gottes Wort? Luther antwortet auf diese Frage: „Was Christum treibet, das ist Gottes Wort.“ Es gibt also so etwas wie einen roten Faden, der uns hilft, die vielfältigen Botschaften der Bibel zu gewichten und sie miteinander in Beziehung zu setzen.

Nicht jeder biblische Satz ist immer und überall gleichzeitig das jetzt wichtige Wort Gottes.
Die Geschichten der Bibel beginnen erst dann zu leuchten, wenn sich der existentielle Zusammenhang mit einer konkreten Lebenssituation ergibt (es leuchtet mir etwas ein) oder der Bezug hergestellt wird, wie es in der Predigt versucht wird.

Gottes Wort hat die Kraft, eine neue Wirklichkeit zu schaffen. Es belebt und inspiriert.

Erhard Wurst