Menschenbilder zeigen, was jemand unter „Menschsein“ versteht.

Das Menschenbild, das wir haben und vertreten, wirkt sich unmittelbar auf die Art und Weise aus, wie wir uns selbst und die Menschen um uns herum sehen.

Die christliche Sicht des Menschen ist eng gekoppelt mit dem Grundwert der Nächstenliebe. Doch die Bibel kennt nicht nur e i n Menschenbild. In der Geschichte des Christentums haben sich vielfältige Vorstellungen vom Menschsein entwickelt.

Dennoch lassen sich aus der Fülle der biblischen Aspekte einige Grundlinien* – ohne Anspruch auf Vollständigkeit - beschreiben:

  • Jeder einzelne Mensch ist von Gott gewollt und geliebt.
  • Der Mensch ist geschaffen als Gottes Ebenbild, was seine unzerstörbare Würde begründet. Diese Würde ist nicht abhängig von irgendwelchen Fähigkeiten oder Leistungen.
  • Der Mensch ist zur Liebe berufen: zu sich selbst, zum Nächsten und zu Gott. Liebe setzt Freiheit voraus.
  • Der Mensch ist ein Beziehungswesen. Es gibt kein „Ich“ ohne ein „Du“. Weil Menschen einander brauchen, tragen sie füreinander und für die Bewahrung der Schöpfung Verantwortung.
  • Der Mensch ist Fragment, gezeichnet von den Brüchen der Vergangenheit und offen für die Zukunft. In dieser wesensmäßigen Unvollkommenheit ist er von Gott bedingungslos angenommen und hat daher die Möglichkeit, seine Bruch – und Schulderfahrungen anzunehmen und einzugestehen.
  • Der Mensch ist ein Ganzes aus Geist, Leib und Seele.

Insbesondere ist die christliche Ethik darum bemüht, diese Sicht des Menschen in die gesellschaftlichen Diskurse einzubringen. Zum Beispiel im Umgang mit Sterben / Tod und in der Breite der gesellschaftspolitischen Herausforderungen.

Thomas Spiegelberg

*) vgl. z.T. Beate Hofmann, Grundlagen diakonischer Unternehmenskultur, 2010