An Landstraßen steht es manchmal, am Straßenrand, dort, wo ein Mensch durch Unfall zu Tode gekommen ist. Und auf Friedhöfen sowieso. Das Kreuz, ein Zeichen des Todes? Ein Zeichen des Gedenkens allemal. Auf Berggipfeln ist es zu sehen, auf Kirchturmspitzen und in der Kirche auf dem Altar.
Für Christen ist es ein Zeichen des Lebens.

Die Kreuzigung war im Römischen Reich die übliche Todesstrafe für Verbrecher. Jesus von Nazareth wurde auf diese Art hingerichtet. Von außen betrachtet eine Niederlage.
 
Aber es ist doch auch ein Zeichen dafür, dass einer sich nicht von seinem Weg hat abbringen lassen, dass er seinen Weg konsequent weiter gegangen ist. Denn er hätte sich auch retten können durch eine geschickte Verteidigung oder durch Widerruf.  

Was hätte er widerrufen müssen?

Jesus, genannt König der Juden, war des Aufruhrs verdächtig. Er konnte Menschen begeistern. Das ist Herrschern immer suspekt.

Jesus, genannt Gottes Sohn, war der Gotteslästerung angeklagt. Sich Gottes Sohn nennen zu lassen, das war in den Ohren der Priester ungeheuerlich.

Jesus, genannt Christus, hatte von Gottes Liebe so anschaulich gesprochen und in diesem Sinne so bedingungslos gehandelt, dass sich bei den Zuhörern und den Beteiligten das Gefühl einstellte: Ja, Gott ist wirklich gegenwärtig jetzt in diesem Augenblick!
Hätte er also Gottes Liebe widerrufen sollen?

Das Kreuz ist ein Zeichen der konsequent gelebten Liebe Gottes auch dann, wenn sie vordergründig scheitert.
Jesus ist am Kreuz gestorben. Aber die Liebe Gottes lebt.

Das Kreuz ist so etwas wie der Schnittpunkt zwischen Hass und Liebe, zwischen Gewalt und
Friedfertigkeit, zwischen Tod und ewigem Leben. Gott hat sich in Christus den Spannungen dieser Welt ausgesetzt und ist sich selbst darin treu geblieben. Darum ist das Kreuz zum Zeichen der Kirche geworden.

In diesem Zeichen versammeln sich Menschen, die in ihrem Leben auf die Liebe Gottes vertrauen wollen.

Erhard Wurst