Jerusalem ist die Heilige Stadt dreier Religionen und gefühlte Hauptstadt zweier Staaten.

Die Geschichte dieser Stadt füllt dicke Bücher: ausgebaut unter König David, erobert von den Babyloniern, wieder besiedelt von Israel, besetzt und schließlich erobert von den Römern. Jahrhunderte lang durfte kein Jude die Stadt betreten. Das Land wurde nicht mehr Israel genannt, sondern Palästina – nach den Philistern.

Die beiden jungen Religionen, die zu jener Zeit im Entstehen waren, bezogen sich zwar immer wieder zentral auf Jerusalem, retteten sich zugleich jedoch heimlich aus der Stadt hinaus: Das heutige rabbinische Judentum entwickelte sich in Yavne, das frühe Christentum vor allem in den Gemeinden des Paulus, in Griechenland und in der Türkei.

Später wurde diese Stadt auch für den entstehenden Islam wichtig, und so begann eine neue, jahrhundertelange Geschichte der Besatzung; diesmal unter den Osmanen. In den blutigen Kämpfen der Kreuzzüge ging die Stadt hin und her zwischen Christen und Muslimen, und die Juden mussten schreckliche Auswüchse von Judenfeindschaft erleiden -  in der Stadt und auf allen Kreuzzugs-Wegen.
Schließlich übernahmen nach den Osmanen die Briten kurz die Herrschaft.
Mit Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts rückten die reale Stadt Jerusalem und die konkrete Einwanderung nach Israel in den Blick der entstehenden zionistischen Bewegung.
Immer mehr Menschen wanderten ein. Und nach dem Schrecken der Shoah und der Erfahrung, in vielen anderen Ländern keine Zuflucht gefunden zu haben, kam es nach Ende des britischen Mandats 1947 zu der Gründung des Staates Israel. Von der ersten Nacht an wurde er von allen seinen Nachbarn bekämpft und gehasst.

Vorsichtige diplomatische Beziehungen, die aber immer wieder sehr leicht ins Wanken zu bringen sind. Inzwischen sind aber andererseits aus den Verteidigungskriegen des jungen Staates z.T. Eroberungskriege geworden.

Inmitten dieser verfahrenen politischen Lage liegt die Stadt Jerusalem: Geteilt in mindestens zwei verschiedene Welten, von den einen als Hauptstadt Israels, von den anderen als Hauptstadt Palästinas gewünscht, von beinahe allen religiösen Gruppierungen als ein wichtiger Standort in Besitz genommen, in den politischen Verhandlungen entweder Haupt-Streitpunkt oder aber vorsichtig ausgeklammert.
Die Konfliktlinien in dieser aufgeheizten Atmosphäre verlaufen nicht nur zwischen Palästinensern und Israelis, sondern z.B. auch zwischen ultraorthodoxen und säkularen Juden, zwischen muslimischen und (immer weniger) christlichen Palästinensern, zwischen sephardischen und ashkenasischen Juden.

So kann man sich nur von ganzem Herzen dem Gebet des Psalmisten anschließen:  
„Wünschet Jerusalem Glück! Es möge wohlgehen denen, die dich lieben! Es möge Friede sein in deinen Mauern und Glück in deinen Palästen! Um meiner Brüder und Freunde willen will ich dir Frieden wünschen. Um des Hauses des HERRN willen, unseres Gottes, will ich dein Bestes suchen.“

Anna Nguyen-Huu