Das griechische Wort „diakonein“ bedeutet das ganz allgemein ein Handeln im Auftrag eines anderen oder für einen anderen.  Die Christen haben daraus den Inbegriff des Helfens schlechthin gemacht. Christus selber ist Vorbild im helfend-dienenden Miteinander.

Christsein hat diakonische Folgen. Im Römischen Reich fielen die Christen dadurch auf, dass sie sich um die Toten und die Alten kümmerten. Später wurden die Menschen in Hospitälern versorgt, die von Klöstern betrieben wurden.

Im 19. Jahrhundert nahm die evangelische Diakonie einen starken  Aufschwung durch einzelne Persönlichkeiten, die aus ihrem christlichen Glauben heraus Ideen für das Helfen entwickelten und damit zu den Gründervätern – und Gründermüttern der modernen Diakonie wurden.

So schufen zum Beispiel Theodor Fliedner und seine Frau Friederike das Berufsbild der Diakonisse. Das war der erste Frauenberuf mit einer Fachausbildung. Seit den 1960er Jahren stirbt dieser Beruf langsam aus.

 Die Diakonie des 19. Jahrhunderts organisierte sich jenseits der kirchlichen Strukturen in freien Vereinen und gründete Anstalten mit Heimen als Familienersatz für Waise, Kranke, behinderte Menschen und Ausbildungshäuser für Diakonissen und Diakone.

Johann Hinrich Wichern begründete 1848 die „Innere Mission“, in der die diakonischen Einrichtungen deutschlandweit koordiniert wurden.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die unabhängige vereinsartige Diakonie und die Diakonie von Landeskirchen und Freikirchen in Deutschland unter einem wieder vereinsrechtlich organisierten Dach zusammengefunden, dem Diakonischen Werk.

Das christliche Profil der Diakonie kann in einer multikultureller und multireligiöser werdenden Gesellschaft darin liegen, dass die religiöse und ethische Dimension des Helfens  besonders hervorgehoben und gelebt wird. Ebenso muss es darum gehen, dass Mitarbeitende sowie Hilfeabnehmer darin gefördert werden, ihren eigenen spirituellen Weg zu finden.  Dabei kommt den alltäglichen Ritualen in ihrer Ganzheitlichkeit eine wichtige Rolle zu.

Warum ist uns Diakonie so wichtig? Zum christlichen Ethos gehört es, sich der Verletzlichkeit des eigenen Lebens bewusst zu werden und sich der Verletzlichkeit einer fremden Biographie auszusetzen. Das geschieht im Zuhören, im Dasein, im Helfen und Aushalten, im Pflegen, in Beziehungen und tragenden Gemeinschaften, in denen Menschen leben.

Nichts anderes soll Diakonie bewirken.

Thomas Spiegelberg