Veröffentlicht am Di., 22. Sep. 2020 13:19 Uhr

„Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan.“ Mit diesen Worten aus dem 103. Psalm, die uns ab morgen als Wochenspruch zum 14. Sonntag nach Trinitatis begleiten, begrüße ich Sie an diesem Morgen zu unserer Synode.

„Lobe den Herrn, meine Seele“ – das tut gut, es so am Anfang dieses Tages und dieser Tagung zu hören und zu sich selbst zu sagen. Auf die eigene Stimme will ich hören, auch gleich, wenn es um anderes geht, um Wahlen, Zahlen und Strukturen, um Haushalt und Berichte.

Aber jetzt will ich erst einmal hineinlauschen  in das, was in mir vorgeht. In Zwiesprache will ich treten, mit mir selbst und dann mit Gott.

Deshalb: Meine Seele, auf Deine Worte höre ich. Das, was wohl klingt, erfreut mich, aber ebenso behalte ich deine Missklänge im Ohr.

Ich und Du, meine Seele, wir müssen uns einigen, auf Lachen und Weinen.

Wir müssen ausloten, was angemessen ist. Was wir brauchen, an diesem Morgen und in dieser Zeit. Was uns gut tut, Dir und auch mir.

Wenn ich dich höre, du meine Seele, achte ich auf mich selbst, auf das, was mich ausmacht, mir wichtig ist, mich allem Rauschen der Zeit enthebt.

Wenn ich auf dich höre, meine Seele, dann, ja dann können wir vielleicht gemeinsam lauschen auf das, was Gott mir sagen will in dieser Zeit.

Ein Zwiegespräch führen wir, du und ich, meine Seele.

Über Liebe und Zweifel, Mut und Erschöpfung.

Aber in dir klingen auch die Erinnerungen nach, die Bilder, die mir Kraft geben, die eigenen und die, die sich mit unserer Lebensgeschichte aus den biblischen Texten und Traditionen verbunden haben, die mich ins Beten, ins Singen, ins Loben bringen.

Dazu brauche ich dich, meine Seele, will dich nicht verlieren.

Wenn ich höre, wirklich höre auf dich, meine Seele, dann nehme ich auch Gottes Spuren war in meinem, in unserem Leben.

Wenn ich auf dich höre, meine Seele, erfahre ich Gott, oft nur im Rückblick. Und doch erfahre ich ihn, in dir, meine Seele. Kann mit dir zusammen sprechen, Worte finden:

Gott, du bist da, im Erinnern, im Vergegenwärtigen, bist du, wenn wir Zwiesprache halten, meine Seele und ich …

Manchmal, Gott, bist du da in den Geschichten, wie der von Jakob, der auf der Flucht war, vor seinen Taten, vor sich selbst, ja, und vielleicht auch vor dir. Der es lernen muss, in sich hinein zu hören, auf seine Seele und so auch auf dich.

Deshalb, am Beginn dieses Tages, eine Geschichte von Jakob, bekannt wie kaum eine andere, weit weg von unserer Zeit, von Corona, auf den ersten Blick jedenfalls, und dann doch ganz nah.

Das war ein weiter und langer Weg. Jakob, so erzählt es die Bibel, ist ziemlich am Ende. Er ist auf der Flucht. Es ist ein langer Weg und Jakob weiß nicht wohin. Jakob hat alles hinter sich gelassen. Mit der Familie hat er gebrochen nach der Sache mit seinem Bruder und dem Vater. War vielleicht auch keine gute Idee, sich den Segen des Vaters zu erschleichen und so den Bruder um sein Erbe zu bringen. Dieser Streit lässt sich nicht so einfach aus der Welt schaffen. Er sieht noch die Wut im Gesicht seines Bruders. Da musste er einfach weg.

Nun tut Jakob vom Weglaufen alles weh, die Knochen und die Muskeln. Alles ist müde vom Rennen; auch der Kopf, in dem die Gedanken umherschwirren; und nicht zuletzt die Seele. Was bleibt mir jetzt noch, fragt er sich. War es das wert? Und wo soll ich überhaupt hin?

Langsam geht die Sonne unter. Die Nacht bricht herein. Es wird ganz still in dem weiten und wüsten Land. Jakob kann nicht mehr. Er legt sich einfach auf die Erde, ein Stein dient ihm als Kissen. Jakob ist so müde, dass auch das ihn nicht mehr stört. Ganz schnell schläft er ein und fällt in dunkle Träume. Doch dann, mitten im Traum, wird es hell. Jakob sieht eine Leiter, die Himmel und Erde verbindet. Engelähnliche Wesen, Gottes Boten, gehen hinauf und hinab. Auch ins Dunkel seiner Träume. In seine Traurigkeit, Angst und Schuld. Kein Ort ist ganz von Gott verlassen. Auch in tiefster Nacht ist ein Lichtschein am Horizont zu sehen.

Jakob gibt dieser Traum Hoffnung. Am nächsten Morgen ist nicht alles gut. Aber er kann neu seinen Weg gehen. Begleitet von diesem Traum, in dem Himmel und Erde einander ganz nahe sind. In dem Gott Jakob ganz nahe ist und zu ihm spricht: „Ich bin mit dir und will dich behüten, wo du auch hingehst.“ Gut, mit so in einem Zuspruch in den Tag zu gehen.

Ja, liebe Seele, lass uns loben, danken und beten zu unserem Gott, der in uns ist mit seinem heiligen Namen, eingeschrieben, ganz tief in dir und in mir, damit wir nicht vergessen, du und ich und alle anderen, was er uns Gutes getan hat. Oft erst im Rückblick, aber wir brauchen solche Bilder und Symbole, in denen sich Himmel und Erde verbinden. Gerade jetzt, in dieser Zeit.

Ja, loben wollen wir dich, gütiger Gott, meine Seele und ich.

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