Veröffentlicht am Mi., 13. Mai. 2020 11:05 Uhr

Frau Just, Sie haben Publizistik und Kommunikationswissenschaften studiert. Wie kommt man da zur Arbeit mit Kindern?  

Das ist nicht das einzige, was ich studiert habe (lacht). Ich habe auch Erziehungswissenschaften studiert und evangelische Theologie, Anglistik und Amerikanistik, außerdem Klavier und Musikpädagogik angefangen. Ich liebe diese Vielfalt und habe mich deshalb lange schwergetan, ein Berufsfeld zu finden, in dem ich mich nicht langweile. Die Arbeit mit Kindern ist nicht nur abwechslungsreich, sondern hier kommt auch vieles von dem zum Tragen, womit ich mich bisher beschäftigt habe.  

Wie kam der Einstieg in die Arbeit mit Kindern?  

Das war eigentlich Zufall. Die Frau, die u. a. in der Kita meiner Kinder musikalische Früherziehung angeboten hat, zog weg. Eine Nachfolge wurde gesucht. Ich hatte mich damals gerade von meinem Partner getrennt und suchte nach einer Tätigkeit in dem Zeitfenster, in dem die Kinder in der Kita betreut waren. Als Musikerin und Erziehungswissenschaftlerin war ich für diese Aufgabe natürlich super qualifiziert. Ich habe das dann zehn Jahre lang in verschiedenen Kitas gemacht und war auch für die Musikschule als Honorarkraft tätig. Zuletzt habe ich an einer Grundschule als Musiklehrerin gearbeitet.  

Wann begann Ihr Engagement im kirchlichen Bereich?  

Ich komme eigentlich aus einer baptistischen Gemeinde und habe lange Jahre ehrenamtlich Kindergottesdienste angeboten, zuletzt in Ludwigsfelde, wo ich lebe. Eine Bekannte dort, die selber als Gemeindepädagogin im Kirchenkreis Zossen-Fläming arbeitet, hat mich angesprochen, ob das nicht auch für mich passen würde. Dann habe ich mich in diesem Bereich umgeschaut und bin auf die Stelle in Großziethen gestoßen, wo eine Elternzeitvertretung befristet für ein Jahr ausgeschrieben war. Und ich dachte: Perfekt! Das ist genau die Zeit, um reinzuschnuppern und herauszufinden, ob das wirklich das Richtige für mich ist.  

Und war es das?  

Ja! Die Arbeit ist wunderbar vielseitig, ich kann mit Kindern und für Kinder kreativ sein und mich zwischendurch auch mit erwachsenen Menschen unterhalten. Außerdem freue ich mich, dass hier nicht nur meine pädagogische und musikalische Ausbildung und Erfahrung von Bedeutung sind, sondern auch theologisches Fachwissen, um den Glauben kindgerecht weiterzugeben. Na, und die Großziethener sind einfach nett, besser geht es doch kaum!  

Dann wurde die Stelle der kreiskirchlichen Beauftragten für die Arbeit mit Kindern frei …  

Die ehemalige Kreisbeauftragte für die Arbeit mit Kindern, Stefanie Conradt, hatte mich noch bei der Einarbeitung in Großziethen unterstützt. Dann verließ sie den Kirchenkreis und ihre Stelle wurde neu ausgeschrieben. Als Perspektive für mich selbst hatte ich das zunächst gar nicht im Blick. Dann habe ich die Ausschreibung gelesen und an jedem Punkt gedacht: das würde mich interessieren, das könnte ich mir vorstellen. Zur Bewerbung entschieden habe ich mich dann aber erst nach einem Gespräch mit Pfarrer Frohnert, der mich sehr ermutigt hat. Toll an dieser Stelle ist, dass man auf der einen Seite selber kreativ arbeitet - was ich sehr gerne mache – und andererseits aber auch andere dazu bemächtigt, dass sie kreativ arbeiten können.    

Angefangen haben Sie dann am 1. Januar, also zu einer Zeit, als an Kontaktsperren noch niemand gedacht hat.  

Zunächst nicht im vollen Stellenumfang, weil ich die Elternzeitvertretung in Großziethen noch bis Juni zu Ende bringen möchte. Das war schon eine Herausforderung, diese Tätigkeit fortzusetzen, und mich in die neue Aufgabe einzufinden. Zum Glück kannte ich ja meine Kolleginnen schon und wurde auch in der neuen Funktion sehr von ihnen unterstützt. Glücklicherweise habe ich es dann noch vor Beginn der Coronakrise geschafft, alle vor Ort zu besuchen, Einzelgespräche mit ihnen zu führen und mir ein Bild über ihre Arbeitsbedingungen zu machen. Das war mir sehr wichtig und hilft mir jetzt in der aktuellen Situation.  

Wie sieht die Arbeit in der Coronazeit in der Arbeit mit Kindern aus?  

Alle Gemeindepädagoginnen – ich inklusive – versuchen natürlich, vor Ort den Kontakt zu „ihren“ Familien zu halten und Angebote zu schaffen, die auch in der Coronazeit wahrgenommen werden können. Das kann digital sein, wenn z. B. meine Kollegin Frauke Fischer aus dem Sprengel Nordwest Videos auf YouTube stellt, in denen sie biblische Geschichten erzählt. Andere haben in der Aktion „Hoffnung hamstern“ Hoffnungsgebete zum Mitnehmen an den Kirchen ausgehängt oder Ostersteine bemalt und ausgelegt. Viele von den Kolleginnen haben „ihren“ Kindern zu Ostern Briefe geschickt und Tütchen mit Hoffnungssamen beigelegt. Im gesamten Kirchenkreis haben Kinder Regenbögen gemalt und in ihre Fenster gehängt und damit anderen Kindern ein Zeichen gegeben. 

Und was machen Sie in Großziethen?  

Wir organisieren in jeder Woche dienstags vor unserem Familienzentrum ein besonders Angebot: einmal haben wir Bastel-Mobiles zum Mitnehmen an unserem überdachten Briefkasten deponiert, ein anderes Mal haben wir einen Parcours über das Gelände aufgemalt, der individuell durchlaufen werden konnte bis zu Küsters Scheune hin. In der vergangenen Woche konnte ein großer aufblasbarer Elefant bemalt werden, natürlich unter Berücksichtigung der Hygieneregelungen! Als nächstes planen wir am 19. Mai eine Schnitzeljagd. Informationen dazu gibt es rechtzeitig auf der Homepage der Gemeinde.  

Nun naht der Sommer. Was wird aus Zeltwochenenden und Ferienreisen?  

Für Juni hatten wir ein Zeltwochenende für den gesamten Kirchenkreis geplant. An Zelten und Übernachten ist in der aktuellen Situation nun aber natürlich gar nicht mehr zu denken. Deshalb bereiten wir jetzt für den 6. und 7. Juni ein Kinderaktionswochenende vor. An drei Standorten: in Niederlehme, Eichwalde und Rudow werden wir einen „Jahrmarkt des Glücks“ aufbauen mit unterschiedlichen Aktionsständen. Die Kinder kommen dann jeweils nach Voranmeldung zu einer festgelegten Zeit, so dass sich immer nur eine begrenzte Anzahl von Menschen auf dem Gelände befindet. Ein gemeinsamer Abschluss findet am zweiten Tag digital statt. Auch, ob die Sommerreisen in diesem Jahr stattfinden wird, ist mehr als fraglich. Aber vielleicht wird der „Jahrmarkt des Glücks“ eine Erfahrung, an die wir anknüpfen können. In jedem Fall gilt: die Gemeindepädagoginnen sind gerade auch jetzt weiter für die Familien da und freuen sich, wenn Eltern und Kinder sich mit ihren Sorgen, Wünschen und Ideen an sie wenden. Ihre Kontaktdaten finden sich jeweils auf den Homepages der Kirchengemeinden. 


Unter dem Pseudonym „Juliane Jacobsen“ ist Juliane Just übrigens auch als Kinderbuchautorin erfolgreich. Ihre Bücher „Leni und das Eichhörnchen“, „Nele gibt nicht auf“, „Allerbeste Freundinnen“ u. v. m. sind im christlichen Buchverlag SCM R. Brockhaus erschienen.

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