Veröffentlicht am Do., 2. Apr. 2020 09:35 Uhr

Herr Horn, als Pfarrer im Sprengel Selchow betreuen Sie sechs Gemeinden im Süden unseres Kirchenkreises. Normalerweise sind Sie also viel unterwegs. Wie ist das im Moment?

Viele Gemeindeglieder, mit denen ich mich sonst regelmäßig treffe, gehören zur "Risikogruppe". Und ich mit meinen 57 Jahren inzwischen auch. Darum habe ich meine Arbeit, soweit es geht, ins Homeoffice verlegt. Zweimal in der Woche fahre ich in die Gemeinde Selchow, wo mein Büro ist, um den Briefkasten zu leeren. Ich telefoniere sehr viel und arbeite eifrig am Online-Angebot der Gemeinde. Und ich habe wieder angefangen, Fahrrad zu fahren!

Welche Formen geistlicher Gemeinschaft gibt es im Sprengel Selchow jetzt, wo wir auf unsere regulären Gottesdienste verzichten müssen?

Jeden Tag um zwölf Uhr - und am Sonntag zusätzlich um elf - werden die Kirchenglocken geläutet. Ich weiß, dass einige Gemeindeglieder dann das 'Vater Unser' beten und daran denken, dass andere Menschen aus der Gemeinde gleichzeitig mitbeten. Letzten Sonntag sind viele Menschen während des Läutens vor ihre Haustüre getreten und haben sich zugewunken. Sie haben sich gefreut, sich wieder einmal zu sehen, wenn auch nur aus der Entfernung.

Was hilft, in diesen Zeiten hoffnungsvoll zu bleiben? Welchen Rat können Sie den Menschen im Kirchenkreis mit auf den Weg geben?

Ich bin überzeugt, dass es gut ist, in diesen Zeiten eine gewisse Struktur im Leben zu behalten: Pünktlich aufzustehen, sich jeden Tag schick zu machen, etwas Gutes zu essen kochen, auch wenn man allein ist. Mit der Lebensqualität geht sonst auch die Selbstachtung verloren. Stellt Euch Blumen ins Zimmer! Wichtig ist, die gewohnten Kontakte beizubehalten: Telefonieren, Briefe schreiben, Skypen. Das Internet macht vieles möglich, was vor zehn Jahren noch undenkbar war - sogar Videokonferenzen mit sechzig Leuten oder mehr! Manche Älteren wollen mit dem Internet nichts zu tun haben und haben Angst vor Betrügern. Aber ein Smartphone haben sie doch - damit kann man mehr machen als whatsappen und Essen bei Lieferdiensten bestellen. #WirSindDa ... Seid ein bisschen mutiger. Schaut nicht so viel Fernsehen, sondern lest mehr! Und wenn ihr Spaß daran habt - schreibt selbst etwas, Gedichte, Kurzgeschichten und so fort. Und spielt - Skat, Schach, Jenga oder Monopoly. Auch wer allein ist, kann Patiencen legen - das hält den Kopf fit!

Das Interview führte Ebba Zimmermann

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