Veröffentlicht am Mi., 25. Mär. 2020 12:00 Uhr

Seit über 25 Jahren gibt es in der Philipp-Melanchthon-Kirche ein Nachtcafé. Menschen ohne festen Wohnsitz finden hier am Wochenende einen Schlafplatz und bekommen ein warmes Abendessen. Außerdem haben sie die Möglichkeit zu duschen und sich mit gespendeter Kleidung zu versorgen. Seit letztem Sonntag ist das Nachtcafé wegen der Corona-Krise geschlossen. Jan von Campenhausen, Pfarrer in der Fürbitt-Melanchthon-Gemeinde, berichtet über die aktuelle Situation dort:

„Wir halten hier in der Philipp-Melanchthon-Kirche im Winter normalerweise immer in der Nacht von Samstag auf Sonntag unsere Türen für Obdachlose offen. In der Regel übernachten dann bis zu 60 wohnungslose Menschen in unseren Räumen. Durch die Corona-Krise ist das jetzt natürlich nicht mehr möglich. Die letzte Notübernachtung gab es am 14. März. Da waren noch Versammlungen bis zu 50 Personen möglich und unser Team hat rund 40 Menschen hier in der Kirche aufgenommen und betreut.

Im Nachhinein war es für uns ein richtiger Glücksfall, dass wir an diesem Abend eine Anwesenheitsliste mit Kontaktdaten führen mussten. Als das Kontaktverbot kam, haben wir überlegt, was wir machen können. Wie können wir alles tun, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern – und gleichzeitig niemanden allein lassen? Die Obdachlosen brauchen unsere Hilfe jetzt ganz besonders: die Nächte sind kalt und wenn kaum Menschen auf den Straßen unterwegs sind, gibt es natürlich auch weniger Spenden.

Wir haben uns dann dafür entschieden, Essenspakete zu packen. Wir haben die Information verbreitet, dass wir am Wochenende keine Übernachtungsplätze mehr anbieten können, aber eine Lebensmitteltüte ausgeben. Rund 60 Pakete haben wir gepackt mit belegten Broten, Obst und Süßigkeiten. Was nicht abgeholt wurde, haben wir an die Suppenküche in der Teupitzer Straße gegeben, die sich sehr darüber gefreut hat.

Wir machen weiter. Zunächst bis Ostern geben wir an jedem Samstag zwischen 20.00 und 21.30 Uhr an der Tür der Philipp-Melanchthon-Kirche Lunchpakete für hilfsbedürftige Menschen aus.

Das spricht sich sicher schnell herum. Natürlich achten wir dabei streng auf die Hygiene. Ein befreundeter Apotheker versorgt uns dazu mit Desinfektionsmittel für die Hände, aber auch für die Flächendesinfektion. Es ist toll, wie viele Menschen uns bei dieser Aktion freiwillig unterstützen. Uns allen ist wichtig, dass die obdachlosen Menschen wissen, dass wir auch in den Zeiten der Corona-Krise weiter an sie denken und für sie da sind.“

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