Veröffentlicht am Sa., 1. Dez. 2018 10:12 Uhr

Rafeaa Alsleman (37) und Ekhlas Al Hais (30) sind mit ihren Kindern Jamal (8) und Hamoudi (10), aus Syrien gefohen. Rafeaa hat dort als Rettungswagenfahrer und im Einzelhandel gearbeitet, Ekhlas als Erzieherin. 

Wie kamen Sie 2015 in Deutschland an?

Rafeaa: Ich kam 2015 nur mit meinem ältesten Sohn hier an. Wir waren allein in einem fremden Land in einer Gemeinschaftsunterkunft in der Haarlemer Straße.

Ekhlas: Ich war erst in Syrien und dann in der Türkei. Von dort kam ich mit Jamal über das Meer nach Deutschland. Der Weg war hart und lang. Wir sind viel zu Fuß gelaufen. Dann konnte ich nicht direkt zu meinem Mann, sondern musste in die Erstaufnahme. Nach 15 Tagen hatte ich gesundheitliche Probleme, die durch die Flucht entstanden sind, und musste operiert werden. Ich war zwei Wochen im Krankenhaus. Jamal war zum Glück bei seinem Vater.

Wie geht es Ihnen heute?

Rafeaa: Gut! Bei uns ist alles in Ordnung. Ich suche jetzt eine Arbeit. Nur mit der Sprache klappt es noch nicht so.

Ekhlas: Wir haben den Deutschkurs B1 fertig gemacht. Jetzt will ich mit B2 anfangen.

Wer hat Sie unterstützt?  

Ekhlas: Ein Sozialarbeiter in der Gemeinschaftsunterkunft  hatte uns ins Herz geschlossen, insbesondere Hamoudi. Er hat auch den Kontakt zu Ihnen (den Flüchtlingsbeauftragten) hergestellt. 

Rafeaa: So kamen wir in die Dreieinigkeitsgemeinde. Sie haben uns untergebracht und geholfen. Der Unterstützerkreis hat uns die Wohnung eingerichtet. So haben wir Menschen kennengelernt und erste Kontakte geknüpft. Das hat uns sehr gut getan. Sie haben uns und den Kindern auch beim Deutsch lernen geholfen und Ausflüge mit den Kindern gemacht.

Ekhlas: Wir haben sechs Monate in den Räumen der Gemeinde im Orchideenweg gewohnt. Als wir den offiziellen Aufenthaltsstatus und damit auch die Kostenübernahme über das Jobcenter hatten, hat die Gemeinde sehr schnell eine Wohnung für uns in der Lipschitzallee gefunden.

Was bedeutet Neukölln für Sie?

Rafeaa: Das ist unsere zweite Heimat.

Ekhlas: Es gibt hier Einkaufsmöglichkeiten, Spielplätze, gute Verkehrsverbindungen und ein Schwimmbad ums Eck. Arabische Läden sind auch nicht weit weg.

Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft?

Rafeaa: Ich möchte zurück in die Heimat. Solange die Lage das noch nicht erlaubt, leben wir hier und ziehen unsere Kinder groß. Ich möchte gern wieder in meinem alten Beruf arbeiten. Aber die Sprache ist ein großes Hindernis. 

Ekhlas: Ich möchte gern zurück nach Syrien. Und solange ich hier bin, möchte ich gern die Sprache weiter lernen, arbeiten und meine Kinder aufziehen. Wir sind hier her gekommen und haben die Flucht auf uns genommen für unsere Kinder. Weil wir das Beste für sie wollen.


Das Interview führte Mounaim Katir, Flüchtlingsbeauftragter in den Kirchenkreisen Neukölln und Tempelhof-Schöneberg. Es ist in der KirchenkreisInfo Dezember 2018/Januar 2019 erschienen.


«Angekommen - Integration leben»
In dieser Interviewreihe stellen die gemeinsamen Flüchtlingsbeauftragten der Kirchenkreise Neukölln und Tempelhof-Schöneberg Menschen mit Fluchthintergrund vor, die im engen Austausch mit den Gemeinden stehen. Sie berichten von ihren Erfahrungen in Berlin, den Herausforderungen, vor denen sie stehen - und von ihren Wünschen. 

(Foto: Mounaim Katir)

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