Veröffentlicht am Mo., 1. Jul. 2019 10:12 Uhr

Batul Alsleman (47) floh mit ihren Töchtern Hour (9) und Nasma (12) aus Deir al-Sor, Syrien. Zur Familie gehören noch drei volljährige Kinder, die auf unterschiedlichen Wegen nach Berlin gekommen sind. Das letzte Lebenszeichen des Vaters kam aus Syrien. Die Familie wartet auf Nachricht.

Wie sind Sie in Deutschland angekommen?

Batul Alsleman: Ich bin 2016 mit den Kindern nach Deutschland gekommen. Wir waren vorher für längere Zeit in der Türkei und kamen dann über Griechenland. Am schlimmsten war die Meeresstrecke: einmal drang Wasser ins Boot.

Hour: Alle haben geschrieen...

Batul Alsleman: Das Boot war voll Wasser, aber Gott sei Dank ist es gut gegangen.

Wie geht es Ihnen heute?

Nasma: Super!

Batul Alsleman: Die Kirchengemeinde Rixdorf hat uns aufgenommen und unterstützt. Besonders die Kinder haben viel Unterstützung bekommen. Wir sind dann nach Mariendorf in eine größere Wohnung gezogen. Auch hierher kommen noch immer Menschen aus Rixdorf und helfen – z. B. bei den Hausaufgaben.

Nasma: Ich gehe weiter auf die Löwenzahn-Grundschule in Neukölln. Hier gefällt es mir gut und ich habe viele Freunde. Meine Lieblingsfächer sind Sport, Englisch und Naturwissenschaften.

Hour: Auch ich will die Schule nicht verlassen. Es sind gute Lehrer und ich habe viele Freunde dort.

Wo sind Ihre Lieblingsorte in Neukölln?  

Nasma: Ich habe keinen Lieblingsort – alles ist schön hier. 

Hour: Ich gehe gern ins Freibad. Im Columbiabad mag ich die lange Rutsche. 

Batul Alsleman: Ich mag das Leben auf der Sonnenallee.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Batul Alsleman: Ich möchte so wie meine Töchter Deutsch sprechen können, selbstständig werden und eine Arbeit finden. Im August fange ich mit einem Deutschkurs an und möchte dann meine B1-Prüfung machen. 

Nasma: Ich möchte auf jeden Fall mein Abitur schaffen und Polizistin werden. Ich wünsche mir, dass wir meinen Vater bald wiedersehen. Von ihm haben wir keine Nachricht.

Hour: Wenn ich groß bin, möchte ich Krankenschwester werden. Mein Wunsch ist auch, dass mein Vater wiederkommt.


Das Interview führte Mounaim Katir, Flüchtlingsbeauftragter in den Kirchenkreisen Neukölln und Tempelhof-Schöneberg. Es ist in der KirchenkreisInfo Juli/August 2019 erschienen.


«Angekommen - Integration leben»
In dieser Interviewreihe stellen die gemeinsamen Flüchtlingsbeauftragten der Kirchenkreise Neukölln und Tempelhof-Schöneberg Menschen mit Fluchthintergrund vor, die im engen Austausch mit den Gemeinden stehen. Sie berichten von ihren Erfahrungen in Berlin, den Herausforderungen, vor denen sie stehen - und von ihren Wünschen.

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