Veröffentlicht am Fr., 1. Mär. 2019 10:12 Uhr

Yasmine Hmaidi (27) und Omar Sbahi (27) sind aus Homs bzw. Deir al-Sor, Syrien, geflohen. Ihre Kinder Laureen (2 Jahre) und Leen (7 Monate) sind in Berlin geboren. Omar Sbahi hatte in Syrien ein Jurastudium begonnen, bevor er zur Armee eingezogen wurde. Yasmine Hmaidi hat als Krankenpflegerin gearbeitet.

Wie sind Sie in Deutschland angekommen?

Omar Sbahi: Ich bin 2014 über die Türkei nach Griechenland, von dort über Ungarn nach Österreich und schließlich nach Deutschland gekommen. Im März 2015 bin ich in Deutschland als Flüchtling anerkannt worden. Aber das war kompliziert, weil die Behörden mir nicht glaubten, dass ich aus Syrien bin. Von dort kann ich keine Papiere bekommen, weil ich ich dort gesucht werde. Ich war nicht bereit auf andere Syrer zu schießen. Ich habe fünf meiner Brüder im Krieg verloren. Meine Frau und ich waren bereits in Syrien verlobt. Meine Frau kam dann im November 2016 nach Deutschland nach. 

Yasmine Hmaidi: Ich bin allein gekommen. Meine Flucht über die Türkei und Griechenland hat 18 Tage gedauert. Bei der Flucht aus Homs hat das UNHCR (UN-Flüchtlingshilfswerk) eine wichtige Rolle gespielt und uns aus der Belagerung gerettet.

Wie geht es Ihnen heute?

Omar Sbahi: Uns geht es gut. Die Sprache ist eine Herausforderung. Ich habe ein paar gesundheitliche Probleme auf Grund einer Schussverletzung am Kopf aus dem Krieg. Vielleicht brauche ich noch eine Operation. Ich mache einen Deutschkurs. Ich möchte ihn aber abbrechen, weil ich mich nicht konzentrieren kann. Ich habe viele Schmerzen. Aber an alles andere gewöhnen wir uns.

Yasmine Hmaidi: Ich wünsche mir einen Kitaplatz für Laureen. Wir stehen auf der Warteliste. Ich könnte dann einen Deutschkurs für Mütter besuchen. Gerade haben wir einen Deutschkurs für Anfänger auf Arabisch auf Youtube gefunden. Das ist gut.

Wer hat Sie unterstützt?

Omar Sbahi: Die Rixdorfer Kirchengemeinde hat uns eine Unterkunft in einem Gemeindezentrum angeboten. Da war meine Frau hochschwanger. Der Pfarrer und die Mitglieder der Gemeinde haben uns in allen Bereichen unterstützt. Ein Jahr haben wir dort gewohnt.

Yasmine Hmaidi: Danach haben sie für uns eine Wohnung in Neukölln gefunden. Wir haben noch heute Kontakt und sie kommen uns besuchen.

Was bedeutet Neukölln für Sie?

Omar Sbahi: In Neukölln fühlen wir uns wie zu Hause. Im Ernst. Ich fühle mich hier sehr wohl und sicher.  Wir haben viele Bekannte hier.

Yasmine Hmaidi: Das Beste an Neukölln ist, dass ich hier auch ohne gute Sprachkenntnisse gut zurechtkomme. (lacht)

Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft?

Yasmine Hmaidi: Ich möchte gern eine Ausbildung als Krankenpflegerin machen. Für meine Kinder wünsche ich mir, dass sie gut in der Schule sind.

Omar Sbahi: Als erstes wünsche ich mir Frieden für Syrien und dass wir dort unser Leben leben können. Ich möchte gern eine Ausbildung als Fleischer machen. Oder – wenn meine gesundheitlichen Probleme weiter bestehen – eine kaufmännische Ausbildung. Ja, aber zuerst muss ich die Sprache lernen.

Das Interview führte Mounaim Katir, Flüchtlingsbeauftragter in den Kirchenkreisen Neukölln und Tempelhof-Schöneberg. Es ist in der KirchenkreisInfo März/April 2019 erschienen.


«Angekommen - Integration leben»
In dieser Interviewreihe stellen die gemeinsamen Flüchtlingsbeauftragten der Kirchenkreise Neukölln und Tempelhof-Schöneberg Menschen mit Fluchthintergrund vor, die im engen Austausch mit den Gemeinden stehen. Sie berichten von ihren Erfahrungen in Berlin, den Herausforderungen, vor denen sie stehen - und von ihren Wünschen.

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