Veröffentlicht am Mo., 17. Jun. 2019 13:03 Uhr

"Das Wort" zum Wochenspruch am Sonntag Trinitatis, 16. Juni 2019, auf radioBERLIN rbb 88,8.

Superintendent Dr. Christian Nottmeier

„Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“  2 Kor 13,13

Sommerurlaub in Kapstadt. Die Temperaturen nähern sich der 40 Grad Grenze. Die Region wird von der schlimmsten Trockenheit seit mehr als 100 Jahren heimgesucht. Schon bald – so lese ich es in der Zeitung –  soll das Wasser für Kapstadt aufgebraucht sein. Wir sind auf dem Weg vom Meer ins Landesinnere. Das kostet uns Überwindung. Am Strand wäre es jetzt eigentlich besser auszuhalten. Aber schon lange wollte ich einmal –  nach Genadendal, insTal der Gnade. Auch im Reiseführer wird dieser Ort empfohlen.

Deutsche Missionare aus Herrnhut  haben die Missionsstation Genadendal 1737 in Südafrika gegründet. Nicht nur eine Kirche gibt es dort, sondern auch eine Schule und viele andere soziale Einrichtungen. So erzählen die Menschen in Genadendal bis heute  die Botschaft von Gottes Liebe und seiner Gnade weiter. Und bezeugen sie in Wort und Tat ihrem Nächsten gegenüber.

1995 hat Nelson Mandela als Präsident Südafrikas Genadendal besucht. So angetan war er von diesem Ort und dem christlichen Geist, den er dort vorfand, dass er seine Residenz in Kapstadt in Genadendal umbenannte.

Genadendal liegt am Riviersonderend, am „Fluss ohne Ende“, Wasser ist hier kein Problem. Tatsächlich ist es grün im ganzen Ort, trotz der Dürre. Im Ortskern, umgeben von alten Häuern aus dem späten 18. und 19. Jahrhundert steht eine große Kirche. Sie ähnelt der in Herrnhut.  Es sieht ein bisschen aus wie in Deutschland, hier mitten in Afrika.  Die alte Missionsstation ist kein Museum, sondern quicklebendig – Heimat für die jetzt Afrikaans sprechenden Nachfahren der Khoi und San, die hier seit Jahrhunderten leben und noch immer zur Moravian Church, wie die Herrnhuter hier heißen, gehören.

Wir besichtigen die alten Gebäude, die Kinder hören rauschendes Wasser und wir folgen dem Geräusch. Ganz am Ende des Häuserblocks steht eine Wassermühle aus dem Jahr 1791. Sie funktioniert noch. Kleine Kanäle führen das Wasser zur Mühle. Bei der Hitze eine Wohltat. Hier können wir jetzt ausruhen. Manche biblischen Assoziationen kommen einem dabei in den Sinn. Und man versteht den besonderen  Namen des Ortes, der abseits der Touristenströme liegt: Tal der Gnade – Genadendal – ein Ort des Glaubens, an dem Gottes Gnade sichtbar, spürbar und lebendig wird: im vertrauten Raum der Kirche, im lebendigen Glauben der Gemeinde und nicht zuletzt am kühlen Wasser der Mühlenbäche. Dankbarkeit stellt sich bei mir ein. Für diesen Ort, für Gottes Gegenwart hier, für seine Gnade, seinen Segen.

Denn darum geht es doch im Leben: Jeden glücklichen Augenblick als Gnade zu erfahren, als Geschenk, das Gott mir gibt. Dieses Gefühl der Gnade soll mich begleiten, auch dann, wenn es mal nicht so leicht voran geht. Gnade – das wird für mich immer auch dieser besondere Ort bleiben: mit seinem geistlichen und sozialen Leben, aber auch mit dem kühlenden Wasser an der alten Mühle. Gnade verbinde ich mit diesem Bild und dieser Urlaubserinnerung. Sie begleitet mich. So wie kühles Wasser auf trockenem Land, so wie  ein guter Wunsch, wie ein Segenwort, das mir zugesprochen wird und das ich weitergebe. So wie Paulus es seiner Gemeinde damals weitergegeben hat:  Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!  Heute, und alle Tag der neuen Woche!

Zum Nachhören: 

Foto: Pixabay CC0

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