Veröffentlicht am Mi., 1. Mai. 2019 10:12 Uhr

Die Brüder Hezekiel George (28) und Samoail Zakria(26) kommen aus Gujranwala, einer Stadt im Nordosten Pakistans. Als die beiden Christen 2014 bedroht und in ihrem Haus angegriffen wurden, sind sie nach Deutschland geflohen. Hezekiel George macht eine Ausbildung zum Altenpfleger, Samoail Zakria macht eine Ausbildung zum Koch. Die beiden leben in Rudow.

Wie sind Sie in Deutschland angekommen?

Hezekiel George: Die ersten Tage waren sehr schwierig für uns. ich erinnere mich, wie wir unser Wohnheim suchten. Wir konnten kein Deutsch und hatten nur einen Zettel mit der Adresse. Die Leute auf der Straße waren verärgert und konnten uns nicht helfen, weil sie uns nicht verstanden haben und wir sie auch nicht.

Samoail Zakria: Wir sind jetzt in einem fremden Land. Wir sehen anders aus und befürchteten, dass manche Menschen das nicht mögen. Wir hatten Angst und dachten, wir können nicht abends draußen sein.

Wie geht es Ihnen heute?

Hezekiel George: Wir sind jetzt Berliner. Wir sprechen immer noch nicht perfekt Deutsch, aber wir verstehen 90 Prozent - und wir sprechen 70 (lacht).

Samoail Zakria: Wir dachten am Anfang, die Deutschen denken immer positiv und haben wenig Streit. Unser Leben hier ist angenehm. Alle Leute kommen immer pünktlich. in unserem Heimatland ist das ganz anders: niemand ist pünktlich. Es gibt keine Regeln. Die Polizei hilft nie ohne Geld.

Gehen Sie als Christen hier in die Kirche?

Hezekiel George: Ein Jahr lang sind wir nicht in die Kirche gegangen. Wir waren viel spazieren mit muslimischen Bekannten. Dann haben wir die Gemeinde Rudow gefunden. Und jetzt sind wir immer Sonntag früh pünktlich in der Kirche.

Ist der Gottesdienst anders als in Pakistan?

Hezekiel George: Nein. Sonntags predigt der Pfarrer und wir denken darüber nach, was wir in der Woche falsch gemacht haben. Dann lassen wir das hinter uns und nehmen uns für die nächste Woche vor, es besser zu machen.

Predigen in Pakistan auch Frauen?

Samoail Zakria: Nein. Frauen ist das Predigen in Pakistan verboten. Sie können nicht nach vorne gehen und sprechen. Hier ist das anders und für uns jetzt schon normal.

Was bedeutet Neukölln für Sie?

Hezekiel George: Ich mag es hier. Rudow ist ein ruhiger Platz zum Leben. Nach 20 Uhr ist niemand mehr auf der Straße.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Hezekiel George: ich möchte meine Altenpflegeausbildung zu Ende machen und Medizin studieren. ich glaube Gott will mir helfen, anderen Menschen zu helfen. Mein Team im Pflegeheim sagt, dass ich das gut kann.

Samoail Zakria: Ich möchte weiter als Koch arbeiten und vielleicht einen kleinen Laden eröffnen oder ein Restaurant.

Das Interview führte Claudia Eichhorst, Flüchtlingsbeauftragte in den Kirchenkreisen Neukölln und Tempelhof-Schöneberg. Es ist in der KirchenkreisInfo Mai 2019 erschienen.


«Angekommen - Integration leben»
In dieser Interviewreihe stellen die gemeinsamen Flüchtlingsbeauftragten der Kirchenkreise Neukölln und Tempelhof-Schöneberg Menschen mit Fluchthintergrund vor, die im engen Austausch mit den Gemeinden stehen. Sie berichten von ihren Erfahrungen in Berlin, den Herausforderungen, vor denen sie stehen - und von ihren Wünschen.

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