Veröffentlicht am Do., 6. Dez. 2018 14:49 Uhr

Evangelische Christen sind in Spanien eine Minderheit. Die Katholiken dominieren. Vor 500 Jahren begann die Inquisition. Protestanten wurden verfolgt und Luthers Schriften verboten. Heutzutage bekommen die evangelischen Kirchen zwar mehr Mitglieder, doch deren Zahlen sind nicht gewaltig hoch. Bis heute wirkt nach, dass versucht wurde, die Reformation abzuwürgen.

Eine Folge ist, dass evangelische Gemeinden zersplittert sind. Wer in Spanien in einen evangelischen Gottesdiens geht, beobachtet, dass die Mehrheit der Besucher aus dem Ausland ist. Dass kann ein Indiz dafür sein, dass Spanier Protestanten nicht als Angehörige einer „richtigen“ Kirche ansehen.

In Spanien repräsentiert der Dachverband „FEREDE“ (Federación de Entidades Religiosas Evangélicas de España) die evangelischen Gemeinden. Er zeigt Gemeinsamkeiten auf, um katholische und evangelische Christen zu vereinen. Im Jahr 2017 fanden gleich zwei Gedenkausstellungen zur Reformation in Barcelona statt.

Auch der Einfluss der katholischen Kirche Spaniens schwindet und die Zahl der Katholiken geht zurück, auch unter den Jugendlichen. 71,4 Prozent bezeichneten sich in einer Umfrage als Katholiken. 2,7 Prozent gaben an, einer anderen Religion anzugehören. In Spanien existiert eine Kirchensteuer, bei der man entscheiden kann, an welche Kirche und kirchlich-soziale Projekte der Anteil der Einkommenssteuer geht. Seit langem versucht die evangelische Kirche, ihren Anteil an der Kirchensteuer auszuweiten. Das Problem ist, dass es in den evangelischen Gemeinden untereinander ein starkes Konkurrenzdenken gibt. Man erkennt aber, dass eine kleine Reformation in Spanien stattfindet. Die Zahl der Mitglieder in der evangelischen Kirche steigt, einige Menschen probieren, sich mit den Katholiken zu versöhnen. Möglicherweise wird in Zukunft ein Großteil der Bevölkerung in Spanien den Protestantismus anerkannt – und vielleicht die Konfession gewechselt – haben.

(Foto: Ferede)

Kategorien Religionsunterricht