Veröffentlicht am Mo., 10. Sep. 2018 15:49 Uhr

Predigt am 9. September 2018 (15. Sonntag nach Trinitatis)
in der Evangelischen Kirche Neu-Buckow

Superintendent Dr. Christian Nottmeier

Predigttext: Markus 10,13-16
Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrühre. Die Jünger aber fuhren sie an.
Als es aber Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes.
Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.
Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie.

Liebe Festgemeinde,

heute ist zweifellos ein wichtiger Tag für die Gemeinde hier in Neu-Buckow. 50 Jahre Kita feiern wir heute, voll Dankbarkeit, guter Erinnerungen und einem hoffnungsvollen Blick in die Zukunft. Als Superintendent des Kirchenkreises freue ich mich über das gute. Neben- und Miteinander von Kita und Gemeinde. Und natürlich liegt es nahe, dass Kita und Gemeinde zusammengehören. Dafür kann man verschiedene und gewiss richtige Gründe finden.

Ein Argument ist gleichsam von der Institution Kirche her gedacht. Denn wenn wir als Gemeinde und Kirche in besonderer Weise eben durch einen Kindergarten der Arbeit mit Kindern – und auch Eltern – zuwenden, dann tun wir bei aller Selbstlosigkeit natürlich auch etwas für den Erhalt der Institution. Das Stichwort lautet kurz: die Kinder sind unsere Zukunft. Und wer wollte das bestreiten.

Ein zweites Argument lebt vom Stichwort der Bildung. Zur Bildung des Menschen – und damit ist ja nicht der Erwerb von Kenntnissen und Techniken gemeint, wie es heute ob verkürzt dargestellt wird – gehört eben auch die Religion. Nicht nur als Wissen von Geschichten und Überlieferung, nicht nur als Vermittlung von bestimmten Werten und Lebenseinstellungen, sondern auch eine Erfahrung des Vertrautseins mit sich selbst, mit der Welt, mit Gott. In der Arbeit auch hier in unserer Kita kommt das ja in ganz vielen Formen zum Ausdruck: im Beten, im Erzählen von Geschichten auch der biblischen Tradition,  in der Arbeit an gemeinsamen Projekten und nicht zuletzt in den regelmäßigen Kita-Gottesdiensten, die wir feiern.

Bei der Bildung, auch der religiösen geht es ja nicht nur um Wissen, sondern auch um Erfahrung, Gefühl, um die Entdeckung des eigenen Sinns fürs Unendliche. Und dazu gehört auch die Erfahrung eines Raums wie eben dieses Kirchraums, der Geborgenheit, Vertrautheit, Heimat werden soll. Und nicht zuletzt der soziale Raum von Kita und Gemeinde. Das erfordert für alle, die damit zu tun haben – und das sind zunächst die Erzieherinnen im Kindergarten – hohe Kompetenz und Sensibilität. Und die Kinder fordern das ja mit ihren religionsphilosophischen und theologischen Fragen nach Leben, Tod, auch Sterben immer wieder ein. Fragen, die man ja nicht einfach mit einem „Du bist noch zu klein“ abstellen kann.

Aufgabe einer evangelischen Kita  ist also daran mitzuhelfen, dass die Kinder eine je eigene, sozial wie religiös sensible Identität entwickeln können. Wir wissen nun, dass das nicht mit der Kindheit aufhört. Identität ist ja nicht irgendwann fertig, auch bei uns Erwachsenen entwickelt sie sich weiter. Auch dazu leistet unsere Kita einen wichtigen Beitrag, der Monika Breß immer wichtig gewesen ist. Denn zu den Kindern gehören ja Eltern, die ihre Kinder nicht nur der Kita anvertrauen, sondern die zugleich Austausch, Kontakt, Beratung suchen. Und auch da spielen die Fragen nach Sinn und Religion immer wieder – nicht nur nebenbei eine Rolle. Was will ich selber meinen Kindern vermitteln? Lasse ich sie taufen? Wie gehe ich eigentlich mit den scheinbar naiven, aber doch ernsten Fragen meiner Kinder um. Auch das spielt in der Arbeit hier eine wichtige Rolle und soll von Gemeinde wie Kirchenkreis weiter unterstützt und gestärkt werden.

Der biblische Text, den wir eben in der Lesung gehört haben, fügt dem allen noch ein drittes, ein theologisches Argument hinzu. Die Geschichte ist schnell erzählt, und sie könnte heute spielen. Jesus ist in der Stadt, viele Menschen wollen ihn hören. Und auch die Kinder finden diesen Mann spannend, haben von ihm gehört und wollen ihn sehen. Aber: sie kommen nicht zum ihm durch. Sie fangen an zu drängeln, sich irgendwie zwischen all den Ellbogen und langen Beinen nach vorne zu schieben und als sie ihr Ziel fast erreicht haben, gibt´s Ärger von den Jüngern. Nicht nur wegen des Drängelns, sondern auch grundsätzlich: Ihr habt hier nichts zu suchen. Das versteht ihr nicht, dafür seid ihr zu klein, wartet, bis ihr groß seid. Von Kinderrechten hatte man damals übrigens auch noch nichts gehört, im Gegenteil. Jesus bekommt das mit: und schimpft, zum Erstaunen der Großen mit ihnen, nicht mit den Kinder. Er drückt die Erwachsenen zur Seite und stellt die Kinder in den Mittelpunkt: er redet mit ihnen, er – vielleicht noch wichtiger – hört ihnen zu, nimmt sie Ernst und er segnet sie. Und dann kommt eben das Wort, das wieder an die Großen gerichtet ist: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes. Und er fügt hinzu: Wer das Reich Gottes nicht empfängt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.

Jesus verknüpft damit sein Handeln an den Kindern mit seinem zentralen Anliegen, nämlich Menschen für das Reich Gottes zu gewinnen. Und dieses Reich ist hier nicht etwas, was irgendwann einmal anbrechen wird, sondern höchst real und gegenwärtig. Denn da, wo Menschen vor Gott wie Kinder werden, da ist es gegenwärtig. Da, wo nicht die Regel und die Routine unserer Erwachsenenwelt gelten, sondern wo wir Erwachsene wie Kinder empfangen können, wo wir uns angenommen und vertraut fühlen, wo wir die Welt eben auch mit leuchtenden Kinderaugen sehen können, da ist ein Stück Reich Gottes ohne unser Planen und Machen wirklich geworden. Die Botschaft Jesu ist also: Werdet wie die Kinder! Kinder als Vorbild unseres Glaubens, nicht nur als Objekte verschiedener gutgemeinter pädagogischer Bemühungen, das ist dann ein ganz wesentliche Begründung der Arbeit mit Kinder in Kita, Kirche und Gemeinde, die dann gerne in die institutionen-  und bildungstheoretischen Begründungen mit einfließen kann und soll.

Kita und Gemeinde, Religion und Bildung gehören so zusammen. Denn dieses Ideal, dass die Kinder im Glauben uns ein Vorbild, ein Ansporn sein können, das bleibt auch über die heutige Verabschiedung hinaus verbindend. Gewiss, Kinder können manchmal auch nervig und anstrengend sein, aber Kirche mit Kindern ist, weil Menschen aus dem Herzen Gottes eben immer auch Gotteskinder sind, bereichernd, einladend und so im besten Sinn missionarisch. Denn in jedem Bild sind sie in ihrer Würde und ihrem Wert von Gott gewollt.

Ich stelle mir übrigens vor, dass Jesus vielleicht mit den Kinder auch gesungen hat. Vielleicht ein Lied so ähnlich wie dies, das wir jetzt mit den Kindern hier singen können:

„Das wünsch ich sehr, dass immer einer bei mir wär,
der lacht und spricht: Fürchte dich nicht!“

Amen.

Kategorien Predigten CN