Beauftragter für interreligiösen Dialog und interkulturelle Arbeit im Evangelischen Kirchenkreis Neukölln    

Seit August 2017 ist Pfarrer Dr. Reinhard Kees mit einer halben Pfarrstelle im Pfarrsprengel Nord-West Neukölln mit dem Spezialauftrag beschäftigt, das Interkulturelle Zentrum Genezareth zu leiten. Seit Dezember 2017 hat er mit der anderen Hälfte der Pfarrstelle vom Kreiskirchenrat den Auftrag bekommen, auch für den Kirchenkreis die interreligiösen und interkulturellen Kontakte zu pflegen. Er schreibt dazu:

"Menschen aus über 150 Ländern leben in Neukölln. Sie stammen aus weit mehr als 150 verschiedenen Ethnien. Sie bringen ihre eigenen Geschichten mit. Sie haben ihre je eigene Motivation, warum sie hier leben. Sie sind geprägt wie jeder Mensch von Sprache, Tradition, Kultur, Religion. Wir leben mit ihnen in der einen Stadt, in demselben Kiez. Wir leben zumeist – vor allem im Privaten - nebeneinander her, anders als an den Schnitt- und Treffpunkten der Kulturen und Religionen wie Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser und in der Arbeitswelt.

Vielleicht nehmen wir die anderen Kulturen am meisten wahr in den kulinarischen Angeboten, die sie uns machen. Wir genießen es, türkisch, sudanesisch, griechisch, italienisch, kroatisch oder indisch zu speisen. Die anderen Religionen nehmen wir wahr, wenn wir an ihren Gotteshäusern vorbei fahen - mal groß, pruunkvoll, erkennbar, mal versteckt auf Hinterhöfen.

Aber was wissen wir von den Menschen? Was wissen wir von ihrer Kultur? Was wissen wir von ihrem Glauben, ihrer Frömmigkeit, ihrer Religion? Was wissen wir von ihrem Selbstverständnis? Was von ihrem Schicksal hier in Berlin, und was von der Situation in den jeweiligen Herkunftsländern?

Es ist verständlich, dass der Mensch seinesgleichen sucht. Gleiche Sprache, gleiche Werte, gleiche Kultur, gleiche Religion verbinden. So finden sich die Gemeinschaften, treffen sich, organisieren sich, leben und feiern zusammen. Verschiedene Sprache, verschiedene Werte, verschiedene Kultur, verschiedene Religion aber trennen. So unterscheiden sich die Gemeinschaften. So entstehen Parallelgesellschaften.

Hier setzt meine Arbeit an: Neugier, Toleranz, Offenheit können die getrennten Parallelgesellschaften verbinden. Begegnungsorte, Begegnungsmöglichkeiten müssen organisiert und strukturiert werden.

Parallelen treffen sich nie – auch nicht in der Ewigkeit. Aber aus zwei Parallelen entsteht eine Leiter, wenn man Verbindungen baut. Und Leitern bringen weiter. Je mehr Verbindungen, je mehr Sprossen, desto höher kann man gelangen, desto bequemer kann man steigen, desto weiter kann man sehen.

Das Interkulturelle Zentrum Genezareth und meine Arbeit als Beauftragter für interreligiöse und interkulturelle Kontrakte will so ein "Leiterbauen" sein. Ich will Schnittpunkte schaffen, „Begegnungsprossen“ basteln. Und das nicht nur für den Schillerkiez und nicht nur im Sprengel Nord-West-Neukölln, sondern auch darüber hinaus. So will ich zu einem friedlichen, gelungenen Miteinander beitragen"

Pfarrer Dr. Reinhard Kees

Pfarrer in Genezareth / Interkulturelles Zentrum
und im Kirchenkreis für interreligiöse und interkulturelle Begegnungen
Kranoldstraße 16, 12051 Berlin
Telefon: 0160 98 23 74 62
r.kees@kk-neukoelln.de

Beirat für den interreligiösen Dialog und interkulturelle Arbeit